Podcamp-Session: Die 7 Todsünden des Podcastens

Fehler beim Podcasten? Klar, das kann immer mal passieren. Da rauscht die Aufnahme, das Mikrofon funktioniert nicht oder die Downloads bei iTunes und Co. bleiben aus. Doch warum nur? Fragen gibt es viele. Diese Kurzfassung einer Session auf der Podcamp 2018, dem Podcaster-Barcamp, soll Euch helfen, die ersten Hürden zu nehmen - oder einfach zu schauen, wie es anderen Podcastern so ergeht.

Essen, Unperfekthaus. Ein kleiner Raum, mit Blick auf den Wintergarten. Am Tisch haben sich etwa 20 Teilnehmer eingefunden, in der Mitte steht ein Aufnahmegerät mit vier eingestöpselten Mikrofonen. Die Versammelten sind Teilnehmer des Podcamp 2018, genau genommen einer Session. In dieser geht es konkret um die Frage, welche Fehler beim Podcasten man als Anfänger eigentlich machen kann. Es soll aber auch besprochen werden, wie man durchstartet und mit welcher Ausrüstung. Das Ganze wird als „Die 7 Todsünden des Podcastens“ auf dem Sessionplaner angekündigt. Die möglichen Fehler beim Podcasten gilt es nun gemeinsam zu diskutieren und festzuhalten - auch in einer Podcast-Aufzeichnung.

Session-Planung Podcamp2018

Die Sessions auf dem Podcamp werden an den beiden Tagen jeweils morgens von den Teilnehmern selbst festgelegt, wie bei Barcamps üblich (Foto: Veronika Wengert).

Falls Ihr das Event nicht kennt: Das Podcamp in Essen ist ein Barcamp für Podcaster, also eine Art „Un-Konferenz“. Wie es bei einem Barcamp üblich ist, werden die Themen erst am Morgen der Veranstaltung von den Teilnehmern selbst festgelegt. Ob PowerPoint-Präsentation, Vortrag oder Austausch im kleinen Kreis – alles geht. Die Location des Podcamps 2018, also das Unperfekthaus in Essen, ist eine ziemlich geniale Kreativ-Schmiede, die Co-Working-Space für Künstler und Kneipe miteinander kombiniert. Für eine Flatrate dürfen sich Besucher an der Limo-Bar oder am Büfett bedienen.

Ohne zu viel zu verraten: Sieben Todsünden werden im Lauf der Barcamp-Session zwar nicht erarbeitet, dafür einige wichtige Fehler beim Podcasten, die gerne mal gemacht werden – vor allem von Anfängern.

„Was brauche ich eigentlich als Anfänger, um ein Podcast zu starten?“, lautet die Eröffnungsfrage einer Teilnehmerin, die im Barcamp-Slang auch „Teilgeberin“ genannt wird. Sie hat die Session vorgeschlagen und eröffnet diese nun. Sofort kommt die Antwort: „Die Software ist kostenlos, ein gutes Mikrofon gibt es schon für rund 100 Euro“. Alle nicken. Audacity heißt die Schnittsoftware für Podcaster, die alle empfehlen und die kostenlos ist. Ich bin vor kurzem auf Hindenburg Journalist PRO umgestiegen, eine kostenpflichtige Software, mit der man auch Skype-Interviews auf einer gesonderten Spur aufzeichnen kann - aber das ist Geschmackssache.

Todsünde Nr. 1 wird noch klar ausformuliert: „Wenn die Technik zu schlecht ist, wird der Sprecher nicht verstanden und dann schaltet der Hörer ab“. Einige Session-Teilnehmer nicken. Ja, das geht gar nicht. Da ist man sich einig. Ok, auf zur nächsten „Todsünde“.

Aufnahmegerät Zoom

Welches Aufnahmegerät eignet sich, um technisch gute Podcasts aufzunehmen? Diese Frage stellen sich viele Podcaster (Foto: Veronika Wengert).

„Gibt es ein falsches Thema?“, will jemand willen. „Nun ja: Wenn man etwa übers Briefmarkensammeln podcastet, muss man sich darauf einstellen, die Briefmarke erst mal optisch zu beschreiben“. Klar, sonst schaltet der Zuhörer ebenfalls ab. Unweigerlich denke ich an mein Journalistik-Studium: „Fürs Hören schreiben“ wurde uns immer wieder beigebracht. Das bedeutet, dass Ihr nicht einfach etwas erklären könnt, ohne es zu beschreiben – der Zuhörer sieht es ja nicht. Also müsst Ihr die Briefmarke erst mal detailliert erklären, ob diese nun blau, grün oder lila-blassblau ist, falls Ihr einen Briefmarkensammler-Podcast plant.

Da kommt auch schon die nächste Frage auf: Welches Format sollte ein Podcast haben? Zu den Klassikern gehört sicherlich, dass man sich zu dritt zusammensetzt und dann über ein Thema redet. Oder Ihr seid selbst Experte/Expertin für ein Thema. Dann ist sogar ein Themenplan sinnvoll, wenn Ihr Euch als Experte/Expertin profilieren wollt. In diesem Fall eignet sich ein Podcast auch zur Neukundengewinnung, was viele Unternehmen gerade für sich entdecken. Ein Teilnehmer bekräftigt das: Klar, Neukundengewinnung via Podcast geht auf alle Fälle. Dann kennen die Kunden seine Stimme, Art und seine Einstellung bereits und beim Vorgespräch – in diesem Falle für ein von ihm angebotenes Coaching – muss er dem Kunden weniger erklären.

Alternativ könnt Ihr den Podcast auch ungeplant machen, wenn Euch das liegt. Ich persönlich mag „Stichwortzettel“ sehr gerne, um den roten Faden nicht zu verlieren und dann womöglich in unzählige „Ähs“ zu verfallen. Aber auch das ist Geschmackssache, wie sich bei der Session herausstellt.

Wenn Ihr allerdings anonym bleiben wollt, könnt Ihr einfach zu Beginn sagen: „Hallo ich bin Nina“, dann vielleicht noch einen Twitter-Account hinzufügen. Das bietet sich bei bestimmten Themen an, etwa Sex und Erotik, die mit Euren „Brotjobs“ nichts zu tun haben. Aber, da sind sich die Session-Teilnehmer einig: Podcasting ist kein anonymes Medium, der Name des Podcasters taucht im Impressum auf oder man erwähnt sein Podcast auf Barcamps namentlich – und schon hat sich die Sache mit der Anonymität erledigt.

Essen Unperfekthaus

Treffpunkt der Kreativen: Das Unperfekthaus in Essen (Foto: Veronika Wengert).

Die Session-Teilnehmer einigen sich: Jeder Podcaster kann selbst entscheiden, was im Mittelpunkt stehen soll. Der eigene Name? Die Website? Also das Branding? Wichtig, um das zu ermitteln ist die Frage: „Was ist meine persönliche Motivation, was sind meine Ziele?“ Dabei sollte man klar definieren, ob man das Podcasten nur aus Spaß macht, Neukunden akquirieren oder mehr Leser auf den Blog locken möchte (der sich durch Affiliate-Marketing finanziell amortisieren könnte) oder ob man gar Werbung oder einen Spendenaufruf in den eigenen Podcast einbaut. Ziele, Möglichkeiten und Wege gibt es viele.

Aber, da sind sich einige Session-Teilnehmer einig: Im Radio oder via Podcast hört man immer die gleichen Stimmen. Man entwickelt schnell Intimität und Vertrautheit, also die Zuhörer nehmen den Podcaster auch mit unter die Dusche. Ganz so anonym bleibt man bei diesem Medium eben nicht. Und, so ein Teilnehmer: Das Podcast dürfe wohl auch nicht so gut funktionieren, wenn es sich nicht irgendwie authentisch anhöre.

Person und Rolle könne man zwar auch auseinander halten, aber man sollte sich durchaus Gedanken dazu machen, so die Session-Teilnehmer.

Gretchenfrage: Den eigenen Podcast schneiden?

Doch welcher Veröffentlichungsturnus sollte sein? Also in welchen Abständen sollte eine neue Podcast-Episode veröffentlicht werden? Das hänge ganz vom Thema, Lust und Zweck ab. Wenn es ein Hobby ist, dass man einfach aus Freude macht, reicht auch, wenn man zweimal pro Jahr eine neue Folge veröffentlicht. Will man jedoch eine Community aufbauen, dann empfiehlt sich lieber häufiger, z.B. jeden 1. Mittwoch im Monat, so der Tenor.

Aus Konsumentensicht sei das unproblematisch, sagt eine Teilnehmerin: „In meinem Podcatcher tummeln sich viele Podcasts, warum auch nicht? Selbst wenn die ewig nichts liefern, dann freue ich mich, wenn wieder eine neue Folge erscheint…“.

Die Frage nach der Postproduktion kommt auf. Die Session-Teilnehmer sollen sich an einer Umfrage beteiligen: „Wer nimmt mehrfach auf?“ Die Hälfte der Teilnehmer meldet sich, die andere Hälfte lässt den Arm unten. Also 50:50. Die Meinungen gehen auseinander: „Der Podcast muss eben auch irgendwie lebendig sein. Wenn man zu viel in die Vorbereitung reinsteckt, kann das auch mal hölzern klingen.“

Ein anderer Teilnehmer sagt: „Ich hatte keine Lust mehr, lauter Äääähms herauszuschneiden – also habe ich keine Podcasts mehr gemacht. Dann habe ich es bleiben lassen“.

Ein weiterer Teilnehmer liefert seine Erfahrungswerte: Die Postproduktion von 45 Minuten aufgenommenem Material dauere bei ihm etwa eine halbe Stunde.

Wo veröffentliche ich meinen Podcast?

Wo sollte man seinen Podcast veröffentlichen? Auf Podcast-Plattformen wie Podcaster.de oder auf dem eigenen Server hosten, beides geht. Bei Podcaster.de zahlt man z.B. für 50 MB Upload pro Monat nur 1 Euro, das ist der Basis-Tarif. Direkt hochladen bei iTunes geht nicht, daher stellt sich jeder Podcaster früher oder später die Frage: Wo hoste ich mein Podcast?

Nächstes Thema: Die Community. „Die Verbindung zur Community ist wichtiger als die Form“, so eine These. Das Authentische in einem Podcast würde auch Nähe zur Community, also den eigenen Followern, schaffen, so eine andere Meinung. Der Schnitt sei eher ein Hemmnis – auch eine These, die im Raum stehen bleibt.

Dazu passt die Anschlussfrage: „Wie viel Zeit investiert Ihr für eine neue Podcast-Folge?“ – Die meisten Hände gehen hoch bei der Auswahlmöglichkeit „eine Stunde“. Bei drei Stunden werden es schon weniger. Dreieinhalb Stunden Aufnahme plus einen Tag Postproduktion – das ist die Zeit, die nur ein Teilnehmer benötigt. Er sagt: „Ich könnte fließender arbeiten, aber ich brauche einen komischen, gequellten Prozess“.

Andere Teilnehmer hingegen benötigen viel Zeit für die Recherche. Bis man ein Thema hat, vergeht schon mal ein halber Tag. Dann folgen Aufnehmen und Vorbereiten, die Aufzeichnung des Podcasts nimmt noch mal 1,5 bis 2 Stunden in Anspruch. Aber: „Die ungerade Grammatik bleibt drin. Wenn wir uns jedoch verhaspeln, werfen wir auch mal eine Viertelstunde raus“, so ein Teilnehmer.

Zur Themenfindung für das Podcast wirft ein Teilnehmer ein, dass er ohnehin Buchrezensionen schreibe. Diese ließen sich recht einfach, auch als One-Man-Show vertonen, so ein Tipp für Podcast-Einsteiger.

Das Thema „Länge des Podcasts“ kommt auf: Wie lange sollte ein Podcast sein? Nicht zu lange, um die Zuhörer nicht zu vergrätzen, so der Tenor der Session-Teilnehmer. Auch bei diesem Thema wird klar, dass es keine einhellige Meinung gibt. Einige sind für kurze, knackige Podcasts, andere für längere, komplett ungeschnittene Formate. 

Das Persönliche, also die „Hausmeisterei“, wie es im Podcast-Slang heißt, sollte nicht ganz an den Anfang gestellt werden. Wenn man etwas über seine Katzen erzählt, sollte man das eher an den Schluss stellen, so ein Tipp während der Session. Diese Frage stelle sich aber eher, wenn man bereits eine Community aufgebaut habe - und nicht ganz am Anfang.

Mal kurz Audio zu Video formatieren?

Viele Podcaster filmen sich auch und posten den Podcast dann nicht nur im Audio-Format, sondern laden ihn auch bei YouTube hoch – gegebenenfalls mit Standbildern. Einige Teilnehmer merken an, dass YouTube eine wichtige Traffic-Quelle sei, die man nicht unterschätzen dürfe. Tipp: Standbild reinstellen bei YouTube – und ausprobieren!

Aber: Man sollte sich vor der Produktion überlegen, ob man ein Audio- oder Videoformat produzieren möchte. Es sei schwierig, einen Beitrag, der für Video produziert wurde, ins Audioformat umzusetzen, so ein Teilnehmer. Wer ein Podcast produziert, hat keine Bilder, die im Videoformat selbsterklärend sind und dem Zuschauer nicht erst beschrieben werden müssen - da er sie ohnehin sieht. Im Podcast muss jedoch alles erklärt werden, da der Zuhörer das Objekt nicht sehen kann.

Ein Tipp in der Runde ist Auphonic, sonst ein Tool, mit dem bis zu zwei Stunden Audio-Material pro Monat kostenlos nachgearbeitet werden können, z.B. Tonspitzen angepasst werden können. Auphonic kann aber noch mehr: „Da kann man auch ein Video generieren lassen“, sagt ein Teilnehmer. „Ich mache das mit einem Klick. Das bringt uns zwar nicht nennenswert mehr Klicks für den Podcast, wir machen das also eher zum Ausprobieren. Auch einen Transkriptionsservice haben wir schon ausprobiert“, verrät der Teilnehmer. Damit meint er, dass er ein Audio-Interview abtippen lässt, damit es vom Hörer nachgelesen werden kann. Suchmaschinen wie Google schätzen solch eine schriftliche Podcast-Variante und bringen gegebenenfalls neue Hörer.

Eine andere Meinung bei der Session ist: „Bei YouTube kommt es auf das Thema an, ob der Podcast gehört wird“, berichtet ein anderer Teilnehmer seine Erfahrung.

Die Diskussionsrunde um die „7 Todsünden des Podcastens“ greift auch Ängste auf: „Was ist, wenn man am Anfang Angst hat?“. Ein Tipp in der Runde: „Nehmt einfach ein bis zwei Pilotfolgen auf. Dann hört Ihr Euch zu einem späteren Zeitpunkt an, wie Ihr am Anfang geklungen habt“. Fehler beim Podcasten? Klar, das gehört dazu.

Ein anderer Teilnehmer sagt: „Ich bereite mich gründlich vor und drücke dann auf den Knopf – nein, das geht nicht. So funktioniert nichts in der Welt!“.

Noch ein Tipp in die Runde: Hängt nicht so sehr am Format fest, auf das Ihr Euch am Anfang festgelegt habt. Als Podcaster sollte man offen gegenüber neuen Formaten bleiben. „Über die Klickzahlen sieht man, was gut läuft, z.B. Interviews, Gesprächsrunden“, so ein Teilnehmer. Das könne man dann ausbauen.

Noch eine technische Frage kommt auf, die ebenfalls für Fehler beim Podcasten sorgen kann: „Wie komme ich in den Podcast-Shop?“. Antworten gibt es viele, doch alle laufen auf diese hinaus: „iTunes ist ein großer Weg, denen muss man einmal seinen Feed mitteilen. Die anderen Podcast-Verzeichnisse funktionieren ähnlich. Viele Apps greifen auch direkt iTunes ab“, so der Tipp.

Dann, ein prima Tipp, den viele Teilnehmer noch nicht kannten: Die große deutsche Podcast-Suchmaschine: fyyd! Diese listet den eigenen Podcast ebenfalls, die Suche ist einfach, wie bei einer Internet-Suchmaschine. Und falls der eigenen Podcast nicht gelistet wird, kann man die Macher von fydd auch kontaktieren, heißt es auf der Website.

Podcasten muss sich gut anfühlen

Teilnehmer-Fazit dieser Session: Podcasten muss sich für einen selbst gut anfühlen. Ihr müsst ein gutes Bauchgefühl haben, wenn Ihr mit dem Podcasten anfangt. Hört Euch am Besten andere erfolgreiche Podcasts an, da bekommt Ihr Inspiration für Tonalität und Ihr seht, was Euch stört. Kopiert diese Podcasts nicht, aber lasst Euch inspirieren – denn: „Podcasts sind deshalb so erfolgreich, da so viele unterschiedliche Menschen dahinterstehen“, so der Tenor dieser Session auf der Podcamp2018 in Essen. Wenn Ihr wissen wollt, was für wunderbare, vielfältige Podcaster an diesem Barcamp teilgenommen haben, klickt einfach auf diesen Teilnehmer-Link.

Mein persönliches Fazit dieser Session: Das klingt alles gut. Podcaster sind tolerant. Und hilfsbereit. Was mir noch tagelang in den Ohren nachklingt, sind Sätze wie: "Alles geht beim Podcasten! Einfach Ausprobieren! Jedes Thema hat seine Nische! Mach, wie es sich für Dich gut anfühlt!" Ob man nun 10-Minuten-Beiträge schneidet, mit Atmo und Sprechertext nach Vorlage vertont (wie ich es gerne mache, aber da ist mein journalistischer Background schuld) oder einfach ein dreistündiges Gespräch ungeschnitten laufen lässt – das ist in der Podcasting-Szene nicht entscheidend, da es für jedes Format eine Hörerschaft gibt. Was jedoch öfter angesprochen wurde: Seid authentisch! Seid Ihr selbst! Dann klappt auch der Rest…

Tipp: Veranstalter des Podcamps ist der Podcast Verein, der bundesweit die Interessen von Podcastern vertritt. Der Mindestbeitrag für Mitglieder beträgt 0,00 Euro, Spenden sind natürlich immer herzlich willkommen. Der Verein bietet zudem wöchentliche Podcaster-Sprechstunden im Unperfekthaus in Essen an, organisiert das Podcamp und vergibt jährlich den Deutschen Podcaster-Preis im Rahmen der Podcamp. Bei der Preisverleihung treffen Hörer ihre Lieblings-Podcaster. Lust bekommen? Dann ab zum Podcamp 2019!

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