Tipps für Self-Publisher auf der Frankfurter Buchmesse

Einen Verlag für das eigene Buch finden? Doch statt einem Autorenvertrag hagelt es nur Absagen? Das war gestern. Dank Selfpublishing kann heute im Prinzip jeder Autor ein eigenes Buch veröffentlichen. Viele Praxistipps für Self-Publisher gab es auch in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse. Der Freelancer-Blog hat sich vor Ort bei drei Vorträgen von Selfpublishing-Profis umgehört.

Halle 3 auf der Frankfurter Buchmesse ist kein Geheimtipp mehr. Zumindest nicht unter Self-Publishern, also Autoren, die ohne Verlag im Rücken Bücher und E-Books veröffentlichen. In Halle 3 trifft sich die geballte Self-Publisher-Branche: Dienstleister wie Amazon Kindle Direct Publishing (KDP), ePubli, Books on Demand, Tolino Media oder Neobooks haben in der Self-Publishing Area ihre Stände und laden sich Stars und Sternchen der Branche aufs Podium. Fünf Tage lang können Self-Publisher ihre Lieblingsautoren treffen oder sich praktische Marketingtipps von Autoren holen: Etwa, wie man überhaupt ein E-Book formatiert und bei Amazon KDP hochlädt. Oder, wie man Autoren-Branding betreibt.

Das Publikum in der Self-Publisher-Area der Frankfurter Buchmesse ist gemischt: Viele Self-Publisher sind natürlich da, aber auch Fans, Buchhändler, Interessierte, die zufällig vorbeikommen und stehenbleiben. Und natürlich Bücherblogger. Das wird immer wieder deutlich, wenn die Referenten auf dem Podium fragen: „Sind denn auch Autoren unter euch?“ oder „Gibt es hier Bücherblogger?“ Prompt schießen viele Hände in die Höhe.

Coacht Self-Publisher: Anika Bühnemann auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Coacht Self-Publisher: Annika Bühnemann auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Für wen schreibt man als Self-Publisher eigentlich?

Eine der Referentinnen am Buchmessen-Freitag ist Annika Bühnemann. Sie betreibt den Blog „Vom Schreiben leben“ und betreut als Marketingcoach Self-Publisher. Praktische Erfahrung bringt Annika Bühnemann reichlich mit, denn sie veröffentlicht seit fast fünf Jahren selbst Liebesromane – als Self-Publisher. Ihr Thema stößt auf reichlich Andrang: „Selfpublishing 2.0: Verdammt, wer soll das lesen?“. Im Fokus steht dabei die Zielgruppe, also für wen man als Self-Publisher eigentlich schreibt.

Um das Ganze anschaulich zu erklären, hat Annika Bühnemann Katharina mitgebracht. So nennt sie ihre fiktive junge Autorin, die einen Roman geschrieben hat. Einen guten Roman natürlich, denn das sei natürlich die Grundvoraussetzung für Erfolg. Doch Katharina, die nur auf dem Foto auftaucht, hat sich noch keine Gedanken um ihre Leserschaft gemacht: Für wen hat sie ihr Buch geschrieben? In welches Genre passt es? Ist es ein Liebesroman? Ein erotischer Roman? Fantasy? Auf alle Fälle, resümiert Annika Bühnemann, gäbe es derzeit 147.000 weitere Bücher bei Amazon, mit denen Katharinas Roman konkurriere - da er in eines der entsprechenden Genres passe. Also müsse sie sich Positionieren, wie es in der Marketingsprache heißt.

Um die eigene Zielgruppe zu bestimmen, könne man auf verschiedene Art herangehen. Man könne den Leser nach dem Alter eingrenzen, etwa „Bücher für 6- bis 9-Jährige“ oder „Jugendbücher“ schreiben. Das funktioniere jedoch nicht bei allen Büchern: Liebesromane würden Frauen mit 20, aber auch weitaus ältere Frauen lesen, so Annika Bühnemann.

Also spiele das Alter nur bedingt  eine Rolle. Aber: Geschlecht, Lesegewohnheiten, Lieblingsbücher und Lieblingsautoren seien weitere Anhaltspunkte. Die entsprechenden Informationen bekomme man aus verschiedenen Quellen, etwa durch Erfahrungswerte bei Facebook-Gruppen („Wer folgt mir?“) oder die „Kunden kauften auch“-Funktion bei Amazon. Sinnvoll sei auch, empfiehlt Annika Bühnemann, einen Blick auf die Sinus-Millieus des Sinus-Instituts zu werfen – eine Art Gesellschaftsanalyse.

„Beim ersten Buch muss man ein wenig raten…“

Beim ersten Buch müsse man allerdings auch noch ein wenig raten, wer die Zielgruppe sei. Generell sollte man dabei den Mut haben, sich einzugrenzen. Dazu müsse man 80 Prozent seiner Leser betrachten. „Sind das Frauen? Dann schreib für Frauen! Wenn es auch ein Mann liest, ja gut…“, empfiehlt Annika Bühnemann.

Zu mehr Lesern verhelfe auch Personenmarketing – etwa durch Social Media oder brancheneigene Seiten wie Lovelybooks. Hilfreich sei auch eine eigene Website mit „Über mich“-Inhalten, die etwa bislang veröffentlichte Romane, Rezensionen, Interviews oder Presseberichte aufliste. Oder ein eigener Blog – wenn man die entsprechende Zeit dafür aufbringe. Das alles trage dazu bei, eine eigene Marke aufzubauen. Wichtig sei dabei auch, mit den eigenen Fans zu kommunizieren und so Kontakt aufzubauen, so Annika Bühnemann.

„Das Buch als Türöffner“

Auch Tom Oberblichler hat sich mit E-Books und als Buch-Mentor in den vergangenen Jahren ein neues berufliches Standbein geschaffen. Auf dem Podium ist sein Buch „Mission Bestseller“ als Printausgabe ausgestellt - so heißt übrigens auch seine Website. Oberbichler hat Erfahrung als Self-Publisher und daraus sein Mentoren-Programm entwickelt. „Das eigene Buch kann ein Türöffner sein“, sagt er. Man könne sich damit als „Experte für“ bezeichnen.

Tom Oberbichler verrät Self-Publishern auf der Buchmesse 2017 seine Erfolgsstory.

Tom Oberbichler verrät Self-Publishern auf der Buchmesse 2017 seine Erfolgsstory.

Oberbichler rät Self-Publishern, eine Summe von Produkten aufzubauen, die es neben dem Buch gäbe. „Im Idealfall ist das Buch der Anfang einer Kommunikation. Dann kann ich, etwa auf der Website, mein erstes Buchkapitel gegen die E-Mail-Adresse anbieten“, sagt er. „Ich lande dann direkt im Postfach der Menschen, die ich erreichen will“. Und das sei viel wert.

Auch Oberbichler weist darauf hin, wie wichtig es für Self-Publisher ist, sich Gedanken um die eigene Zielgruppe zu machen. Er selbst arbeite dabei mit einem Avatar: „Die Person, für die ich schreibe, hat einen Namen, eine Haarfarbe und sogar eine Wohnung“. Dadurch sei das Buch auch eine Art Filter für passende und nicht passende Kundinnen und Kunden seines Mentoring-Programms.

Das eigene Buch sei zudem ein Instrument zum Community-Aufbau. Daher sollten Self-Publisher nicht nur Spannung im, sondern auch um das Buch herum aufbauen. Konkret bedeute das, dass man schon die Entstehung des Buches nutzen sollte, um sich mit künftigen Lesern zu verbinden. „Was super funktioniert, sind Facebook-Gruppen“, sagt Oberbichler. Das sei jedoch auch mit Zeit und Geld verbunden, etwa für bezahlte Facebook-Werbung.

„Social Media wird oft als Geheimtipp gehandelt, aber es hängt immer von der jeweiligen Zielgruppe ab“, sagt Oberbichler. Er empfiehlt Self-Publishern, lieber einen Kanal richtig, als 25 halbherzig zu bedienen – und womöglich noch automatisiert auf allen Plattformen das Gleiche zu Posten.

Als Self-Publisher mit einem Abo Geld verdienen

Eine weitere Einnahmequelle für Self-Publisher könnten Membership-Bereiche sein: Der Kunde könne dort weitgehend vorproduzierte Inhalte wie Podcasts für etwa 29 oder 39 Euro pro Monat einsehen, am besten sei natürlich gleich ein Sechs-Monats-Abo.

Oberbichler präsentiert auch eigene Zahlen: In der Launch-Phase nach Veröffentlichung eines Buches fange er mit 2,99 Euro Verkaufspreis an und gehe dann bis 9,99 Euro hoch. „Es hängt ganz von der eigenen finanziellen Situation ab, ob man das Geld unbedingt braucht oder ob man das Buch als Marketinginstrument nutzt“.

Aus dem Publikum kommt die Frage, ob man zuerst das Buch brauche, um sich zu positionieren – oder umgekehrt. „Beides“, sagt Tom Oberbichler. Man könne das Buch als Marktöffner sehen. Und sich nicht in erster Linie an den Verkaufszahlen messen, sondern daran, dass der Kundenkreis ständig wachse.

„Lest viel, schreibt viel…“

Für jedes Genre ein Pseudonym: Autor Martin Kirst auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Für jedes Genre ein Pseudonym: Autor Martin Krist auf der Frankfurter Buchmesse 2017

„Self-Branding. Der Autor als Marke“, so der Titel eines Autorengesprächs mit Krimi-Bestseller-Autor Martin Krist, der am Stand von ePubli eingeladen ist. Als langjähriger Autor von Krimis kommt er eigentlich aus der Verlagsbranche. Nun plant er jedoch eine größere und vor allem langfristig vorbereitete Selfpublishing-Ausgabe mit dem Titel "Böses Kind". Krist hat gleich mehrere Pseudonyme. Damit könne der Leser leichter zuordnen, was ihn erwarte – etwa Krimis, Sachbücher oder erotische Literatur, so sein Argument. Seine Autorenmarke pflegt Martin Krist unter anderem, indem er seine Fans über seinen Schreiballtag informiert, zu dem auch sein Hund gehört – den Fans und Twitter-Follower zwischenzeitlich als #Krimihund kennen.

Sein Tipp für alle Self-Publisher: „Lest viel, schreibt viel, schmeißt viel weg“.

TiPP 1: Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 erwarten Sie über 80 Veranstaltungen zum Thema Self-Publishing. Hier gibt es mehr Infos, auf der Website der Frankfurter Buchmesse.

TIPP 2: Tom Oberbichler hat einen Rundgang über die Selfpublisher Area auf der Frankfurter Buchmesse 2017 auf YouTube gepostet.

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