Lektorat? Ja! Self-Publisher Matthias Matting gibt Tipps auf der Buchmesse Leipzig

Da feilt man an jedem Wort, schläft wochenlang nicht, um die perfekte Story zu Papier zu bringen und dann ist das eigene Buch endlich fertig. Ein Verlag? Das war gestern. Als Self-Publisher formatiert man den Text selbst, lädt ihn auf Plattformen wie Amazon Kindle Direct Publishing (DTP) hoch – und wartet. Auf möglichst viele Downloads, sprich: Leser. Doch die bleiben nicht selten aus.

Dass dies kein Einzelfall ist, weiß Matthias Matting. Der Journalist gilt als einer der bekanntesten deutschen Self-Publishing-Experten – wenn nicht sogar als der bekannteste. Matting kennt die Branche wie kein anderer: Er veröffentlicht seit Jahren als Self-Publisher eigene Bücher, darunter auch Self-Publisher-Ratgeber. Zudem betreibt Matting, von Haus aus Journalist, das Onlineportal Die Self-Publisher-Bibel, das Trends und Entwicklungen der Branche aufgreift.

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Heute ist Matting auf der Leipziger Buchmesse zu Gast. Auf dem Podium der Amazon Self-Publisher-Sparte KDP erklärt er seinen Zuhörern „Metadaten für Bücher“. Keine graue Theorie, keine trockenen Zahlen. Praktische Tipps stehen auf der Agenda, etwa was sich hinter Rankingplätzen und Co. verbirgt.

Dazu bindet Matting seine Zuhörer mit ein. Wer möchte? Ja, bitteschön. Der Self-Publisher-Titel „Finale“ soll es sein, so eine Stimme aus dem Publikum. Matting tippt den Suchbegriff bei Amazon ein. Fehlanzeige. Ein erneuter Versuch, kombiniert mit einem weiteren Begriff, zeigt den Titel schließlich an. Matting betrachtet zunächst die Rezensionen, ganz oben auf dem Bildschirm. Fünf Rezensionen je fünf Sterne, also die volle Punktzahl.

Gleiche Adresse? Die erkennt der Algorithmus

Das sei gut, sagt Matting. Doch sollte man auch skeptisch sein, wenn alle fünf Sterne gäben. „Da muss man aufpassen!“ Nicht selten sei da der Freundeskreis mit dabei. Aber: „Wenn jemand die gleiche IP-Adresse hat oder im gleichen Haus wohnt, das erkennt der Algorithmus dann schon“, sagt er. Solche Rezensionen filtere der Algorithmus dann schon raus. 

Ohnehin sollte man etwas Zeit mitbringen: „Der Algorithmus braucht ein wenig Futter, bis das läuft, die Kunden müssen noch etwas anderes kaufen…“, sagt er.

Das Self-Publisher-Buch, das Matting auf dem Podium unter die Lupe nimmt, ist bei Amazon Kindle Unlimited gelistet. Das bedeutet, dass der Titel von jedem Kindle-Unlimited Abonnenten kostenlos ausgeliehen werden kann. Der Abonnent zahlt 9,99 Euro pro Monat und kann dafür bis zu zehn Bücher gleichzeitig auf seinem E-Reader lesen – aber eben nur solche, die für das Unlimited-Programm angemeldet sind. Will der Leser elf Titel ausleihen, muss er zunächst ein Buch zurückgeben – mehr als zehn geht nicht.

Der Autor enthält eine entsprechende Vergütung von Amazon KDP, die sich an der gelesenen Seitenanzahl orientiert. Matting erinnert jedoch daran, dass Amazon Kindle Unlimited verhindert, dass der Titel in anderen Shops gelistet wird – der Autor bleibt zunächst an Amazon gebunden.

Ein professionelles Cover muss sein, sagt Matting

Dann betrachtet Matting das Cover des E-Books. „Es sieht professionell aus“, sagt er. So sollte ein Cover ohnehin wirken. „Dem Leser ist es egal, ob da ein Verlagsname draufsteht oder nicht – daher ist die professionelle Wirkung von Covern sehr wichtig“, sagt er.

Beim Preis zögert Matting. Der Titel „Finale“ kostet 6,99 Euro. „Ich bin mir nicht sicher, ob der Preis durchsetzbar ist“, sagt er. Das hänge vor allem von der Zielgruppe ab. 

Mit gedruckten Büchern zum Buchhändler

Matting analysiert das nächste Buch. In dicken roten Lettern prangt der Titel „Alm Ufo“ auf dem Cover. Das passe zum Trend, so Matting.

Bezüglich des Preises gäbe es verschiedene Strategien. „Man kann den aktuellen Band ein wenig günstiger anbieten“, sagt er. In diesem Fall wisse der Leser, dass er das Buch beispielsweise in den ersten sechs Wochen zum Preis von 0,99 Euro bekomme und anschließend für 2,99 Euro. „Mit den Preisen erzieht man seine Leser immer ein wenig“, so der Experte.

Matting wirft einen Blick auf den Verkaufsrang des Buches: 639. Aus über 4.000.000 Titeln, die im Amazon KDP-Verzeichnis gelistet sind. Matting verrät, was hinter diesen Metadaten steckt. Wer zur Top 100 gehöre, etwa bei Rang 100, verkaufe etwa 100 bis 120 Bücher pro Tag. Bei Rang 639 könne man mit etwa 20 bis 30 verkauften Büchern pro Tag rechnen, so Matting. Da seien die Leihen, also die via Amazon Kindle Unlimited ausgeliehenen Bücher, allerdings mit einberechnet. „Vor allem Liebesromane werden gerne ausgeliehen“, so Matting.

Wie viele Fans folgen einem auf der Amazon-Autorenseite eigentlich?

Im Publikum geht eine Hand nach oben: Ob man auf der Amazon-Autorenseite sehen könne, wie viele Leser einem eigentlich folgen würden, will jemand wissen. Das sehe man hierzulande leider noch nicht, sagt Matting. In den USA gäbe es dieses Feature unterdessen schon. Vielleicht kommt es auch bald zu uns.

Als Self-Publisher könne man seine Bücher auch drucken lassen. Aber: Bei Büchern mit vielen Fotos oder Grafiken, die also druckintensiv seien, lohne es sich jedoch nur, wenn man eine bestimmte Auflage abnehme. Mit Print on demand könne man keinen vertretbaren Preis kalkulieren. Mit solchen Büchern könne man dann durchaus auch zum Buchhändler gehen.

Bei den Hauptgenres, etwa Belletristik, sei dies hingegen weniger üblich. Eine Ausnahme seien Regionalkrimis: „Da lohnt es sich für die spezielle Region mal mit dem Buchhändler zu sprechen“, empfiehlt Matting. Die würden einem dann schon mal einen Inselkrimi oder so abnehmen.

Ein Lektorat muss sein

Jemand im Publikum hat eine Frage zum Lektorat: Sollte man das gesondert angeben - oder lieber nicht? Matting sagt, dass er damit zwar nicht werben, aber auch nicht darauf verzichten würde. Wenn man ein Manuskript schon zehn Jahre in der Schublade liegen habe, könne man es zunächst hochladen, um die Reaktion der Leser testen. Wenn es sich plötzlich gut verkaufe, könne man sagen: „Oh, jetzt habe ich schon 3000 Euro damit verdient, dann lasse ich es jetzt mit dem Geld nachträglich lektorieren“, so Matting. In solchen Spezialfällen würde er es ausdrücklich draufschreiben, das ein Lektorat stattgefunden habe. Dann wüssten auch die anfänglichen Leser, die sich vielleicht über Tipp- oder Rechtschreibfehler aufgeregt hätten, dass diese nun verschwunden seien. Ansonsten: „Lektorat ja“, sagt Matting und nickt zur Bekräftigung.

Das Publikum klatscht. Eine Stunde ist rasch um. Und schon stehen die nächsten Self-Publisher auf dem Podium. Vier Tage, die die Leipziger Buchmesse dauert, sind schließlich schnell vorbei - und Fragen gibt es viele.

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