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Visitenkarten: Andere Länder, andere Sitten

Visitenkarten werden in manchen Ländern wie Japan oder Russland geradezu inflationär herumgereicht – zumindest aus deutscher Sicht. Wer kein kleines, bedrucktes Kärtchen dabei hat, kann durchaus schon mal argwöhnisch beäugt werden. Freelancer, die häufiger im Ausland unterwegs sind, sollten ihre Visitenkarten entsprechend gestalten und anpassen. Wie, erfahren Sie hier …

Warum sind mehrere Varianten praktisch?

Wer häufig mit ausländischen Auftraggebern zu tun hat, sollte auf englischsprachige Visitenkarten ausweichen. Idealerweise sind diese umseitig in der Sprache des Gastlandes gehalten. Wer in mehreren Ländern Geschäftskontakte pflegt, benötigt entsprechend viele Varianten von Visitenkarten. Tipp: (Online-)Druckereien und Copy-Shops bieten auch kleinere Stückzahlen an, die zwar ein wenig mehr kosten, da eine Mengenrabattstaffelung entfällt – allerdings punkten Sie mit „länderspezifischen“ Visitenkarten umso mehr bei Ihrem Gegenüber!

Russland: Zweisprachige Visitenkarten

Beim Stehempfang, bei der Party oder dem beruflichen Meeting: In Russland gehören Visitenkarten zum guten Ton, sie werden bei jeder Gelegenheit und meist sofort zu Beginn des Gesprächs ausgetauscht. Gerne mit Glitzerpartikeln, auf schillerndem Perlmuttpapier, mit ornamentaler Prägung oder mit sonstigen Elementen, die im deutschsprachigen Raum eher ein wenig kitschig empfunden werden. Da nicht jeder Gesprächspartner das kyrillischen Alphabet beherrscht, sind Visitenkarten meist zweiseitig bedruckt – in russischer und englischer Sprache. Beim Überreichen zeigt die russische Variante nach oben. Seit ich einige Jahre in Russland gearbeitet habe (nachzulesen im „Fettnäpfchenführer Russland“) , wende ich jede neu erhaltene Visitenkarte übrigens sofort willkürlich – um dann festzustellen, dass die meisten Karten hierzulande nur in einer Sprache gehalten sind!

Österreich 1: „Frau Magister“ ist angesagt

Wer häufig mit österreichischen Kunden und Kollegen zu tun hat, kommt um einen Titel auf der Visitenkarte kaum umher – denn unsere südlichen Nachbarn legen viel mehr Wert auf Titel, Grade und Co. Das geht so weit, dass auch Fakultäten aufgedruckt werden. Auch im Zeitalter europäischer Einheitstitel Master und Bachelor bleiben Magister oder Magistra noch weit verbreitet! Im persönlichen Geschäftskontakt wird man entsprechend häufig mit „Frau/Herr Magister“ angesprochen. Aber auch in E-Mails österreichischer Geschäftskontakte fehlt das „Frau Mag. (Wengert)“ als Anrede nicht. I love it! Tipp: Auch wenn sich der früher verliehene akademische Grad Magister Artium (M.A.) in Deutschland kaum auf Visitenkarten durchgesetzt hat, so punkten Sie damit bei Ihren österreichischen Geschäftspartnern!

Österreich 2: M.A., Mmag und andere Verwandte

In dicken Lettern prangt der abgekürzte Titel des österreichischen Kollegen vor seinem Namen auf seiner Visitenkarte, die er mir feierlich entgegenstreckt: Ein „Mmag“! Was in deutschen Augen zunächst wie ein Tippfehler wirken mag, hat durchaus seine Berechtigung. Der österreichische Visitenkarten-Verteiler hat zwei unterschiedliche Magisterabschlüsse erworben, erklärt er auf Nachfrage. Eine gute Lösung, dies zu komprimieren! (Das ist jedoch vom Doppel-Master, also einem Studium an zwei kooperierenden Hochschulen im In- und Ausland, zu unterscheiden!)

Die Autorin dieser Zeilen hat ebenfalls einen Master of Arts (M.A.) (in Kombination mit einem bulgarischen Magistr – also einen deutsch-bulgarischen Doppelmaster) sowie en früheren Hochschulabschluss Magistra Artium (M.A.) erworben – allerdings in Deutschland. Ein doppeltes „M.A./M.A.“ auf der Visitenkarte würde dick aufgetragen wirken (oder gar wie ein Copy-Paste-Verdoppelungsfehler!). Die „Mmag“-Lösung des österreichischen Kollegen ist hier deutlich eleganter! Doch Vorsicht: Ein in Deutschland erworbener Magister wird hinter dem Namen als M.A. geführt, der österreichische dem Namen hingegen vorangestellt und als Mag. abgekürzt.

Japan: Nicht ohne Verbeugung

In Japan werden Visitenkarten stets mit einer Verbeugung überreicht. Einer der beiden Gesprächspartner verbeugt sich dabei in der Regel tiefer als der andere, was auf unterschiedliche berufliche Positionen schließen lässt. Visitenkarten gehören hier nie in den Geldbeutel, sondern in ein spezielle Etui. Beim Überreichen sollten die Visitenkarten nur an den beiden oberen Ecken angefasst werden, damit der Gesprächspartner die aufgedruckten Infos sofort lesen kann. Mehr Infos zum strengen Ritual des Visitenkarten-Übergebens findet man im „Fettnäpfchenführer Japan“.

„Herr Akademik“? Übersetzungen und Abkürzungen

Andere Länder, andere akademische Grade, Titel und Abkürzungen. Der russische „Akademik“ lässt sich nicht mit einfach mit dem deutschen „Akademiker“ übersetzen, sondern bezeichnet ausschließlich ein „Akademiemitglied“.  Er kennzeichnet folglich ein Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Im Zuge der Globalisierung lässt sich auch im deutschen Sprachraum immer häufiger die Abkürzungen CEO entdecken. Doch wer verbirgt sich eigentlich dahinter? Der „Chief Executive Officer“, so die Langform, ist im US-amerikanischen Raum die Bezeichnung für ein geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

Ziehen Sie im Zweifelsfall lieber einen professionellen Übersetzer zu Rate, bevor sich der Fehlerteufel auf Ihrer eigenen Visitenkarte einschleicht! Gute Tipps zu internationalen Bildungsabschlüssen liefert auch die Website www.anabin.de. Der Name ist eine Abkürzung für „Anerkennung und Bewertung ausländischer Bildungsnachweise (ANABIN)“.

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Andreas - 8 months ago

Und wie nennst Du Dich mit einem Doppelmaster z.B. auf Visitenkarten? Max Mustermann M.A., M.A. ?
Oder lässt man in Deutschland den zweiten Master unter den Tisch fallen?

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