Honorare besser kalkulieren

„Was kann ich vom Kunden dafür eigentlich verlangen?“ Eine Frage, die sich jeder Freelancer schon einmal gestellt hat. Das Honorar für eine Dienstleistung hängt jedoch nicht nur von Angebot und Nachfrage ab, sondern auch von der persönlichen Lebenssituation. Wie Freelancer am besten kalkulieren sollten.

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Alles läuft, wie es laufen soll: In Ihrer Mailbox ist die Anfrage eines potenziellen Kunden eingegangen. Er möchte eine neue Website, eine Übersetzung oder einen PR-Artikel von Ihnen haben – je nachdem, welche Dienstleistung Sie als Freelancer anbieten. Gerade wenn Sie neu sind, dürften Sie sich spätestens jetzt die Gretchenfrage stellen: „Was soll ich dafür eigentlich nehmen?“. Doch auch alte Hasen stehen gelegentlich vor der Frage, wie sie einen Auftrag optimal kalkulieren sollten: Zu günstig führt zu viel Arbeit für wenig Geld – was das Frustpotenzial erhöht. Zu teuer ist ebenso unklug, da der Kunde sonst abspringt und den Auftrag anderweitig vergibt. Doch wie ermittelt man den optimalen Preis, für den man bereit ist, zu arbeiten?

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Den eigenen Bedarf ermitteln

Zunächst einmal sollte der eigene Bedarf ermittelt werden, der von der persönlichen Situation abhängt: Es macht einen Unterschied, ob Sie die Monatsmiete für eine Loft in München-Schwabing zahlen müssen oder in einem längst abbezahlten Haus auf dem Land leben. Schreiben Sie also zunächst ganz konsequent alle monatlichen Ausgaben auf: Telefon, Internet, Autoversicherung, Tankrechnungen, die Kosten für Ihr Büro oder Arbeitszimmer, Rundfunkgebühren und Co. Selbstverständlich dürfen steuerliche Vorauszahlungen oder Sonderausgaben wie Kranken- und Rentenversicherung, aber auch die Kindergartenkosten für den Nachwuchs nicht fehlen. Vergessen Sie bei Ihrer Kalkulation nicht, Rücklagen zu bilden. Diese sollten Sie als finanzielles Polster auf einem Tagesgeldkonto parken, um sofort Zugriff darauf zu haben – etwa, wenn die jährliche Einkommenssteuer fällig wird.

Privatausgaben gehören dazu

Zu den betrieblich veranlassten Kosten kommen noch die privaten Ausgaben hinzu: Diese müssen schließlich ebenfalls von Ihrem (geplanten) Honorar bestritten werden. Miete für die Privatwohnung, aber auch Nebenkosten, Versicherungen und Geld für den Jahresurlaub. Sicher besuchen Sie gelegentlich ein Fitnessstudio, einen Masseur, einen Friseursalon oder eine Kosmetikerin? Ab damit auf die Liste!

Den Gewinn nicht vergessen

Am Ende sollten Sie schließlich noch einen überaus wichtigen Posten hinzu addieren: den Gewinn! Denn darum geht es letztlich bei Ihrer Tätigkeit: Sie arbeiten schließlich nicht nur kostendeckend, um laufende (berufliche und private) Ausgaben zu bestreiten, sondern auch, um über kurz oder lang ein Plus damit zu erwirtschaften – nämlich den Gewinn!

Tages- oder Stundensatz festlegen

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Legen Sie nun die Anzahl Ihrer Arbeitstage oder Stunden pro Monat fest: Vergessen Sie dabei nicht, Wochenenden, Urlaub und Krankheitstage abzuziehen. Aber auch Tage für Fortbildungsveranstaltungen müssen zur Kalkulation hinzu. Klingt simpel? Ist es auch. Wenn Sie jedoch Kleinkinder im Kindergarten oder bei der Tagesmutter haben, sollten Sie die Zahl Ihrer Ausfalltage ein wenig höher einschätzen – denn nichts ist so unberechenbar wie Läuse, Darmgrippe oder Bindehautentzündung. Oft muss der Nachwuchs (und Sie, falls kein Babysitter einspringt!!!) dann ungewollt zu Hause bleiben, bis die Epidemie vorüber ist.

Erholungszeiten bei der Kalkulation berücksichtigen

Eine Nachtschicht, begleitet von einer Kanne Kaffee – und der Auftrag ist fertig. Klingt zwar gut, aber wenn ich persönlich beispielsweise eine enorme Textmenge in kurzer Zeit übersetze oder schreibe, erziele ich damit zwar einen hohen Tagessatz, allerdings bin ich am kommenden Tag auch entsprechend gerädert – und muss mich ausruhen. Diese Zeit entfällt also für andere Aufträge. Ein Aspekt, den Sie bei der Preiskalkulation mit einbeziehen sollten, denn dadurch werden vermeintlich hohe Tagessätze relativiert.

Ein Rechenbeispiel

Der Monat April umfasst 30 Kalendertage. Davon entfallen in diesem Jahr acht Tage auf Wochenenden. Ziehen Sie davon noch Ihren Urlaub ab, durchschnittlich 2,5 Tage pro Monat (ausgehend von 30 Urlaubstagen pro Jahr), sind Sie bei 19,5 Arbeitstagen. Falls Sie oder Ihr Kind nun auch noch krank werden, dürften noch einige Tage hinzu kommen – gehen wir einmal von zwei Tagen aus. Bei einer täglichen Arbeitszeit von acht Stunden ergibt dies bei 17,5 Arbeitstagen im April insgesamt 140 Stunden. Doch stopp – davon entfällt ein gewisser Teil auf administrative Tätigkeiten wie Rechnungen schreiben, Überweisungsformulare ausfüllen und letztlich auch auf die Kundenakquise. Veranschlagen Sie dafür noch einmal zwei bis drei Tage. Plus einen Tag für Weiterbildung oder Seminare. Was bleibt? Etwa 112 Stunden pro Monat. Wenn Ihre Kalkulation – inklusive Monatsmiete, Auto und Co. – nun ergeben hat, dass Sie alleine 2.000 Euro Ausgaben pro Monat haben, dann müsste ihr Stundenlohn bei 17,85 Euro liegen. Und damit hätten Sie noch keinen Gewinn erwirtschaftet! Kalkulieren Sie also nicht zu knapp! Manche Ratgeber gehen von 350 Euro Tagessatz aus, den man mindestens ansetzten sollte – allerdings sieht die Realität (je nach Branche) anders aus. Journalisten müssen sich nicht selten mit 150 Euro Tagessatz abfinden – und davon auch noch ihre kompletten Kosten decken!

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