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Selbstständig machen als Freiberufler ohne Startkapital

Freiberufler zahlen im Gegensatz zu Selbstständigen keine Gewerbesteuer. Das klingt zunächst einmal verlockend. Der Haken daran: Nicht jeder kann freiberuflich tätig werden. Nur bestimmte Berufsgruppen, die wissenschaftliche, erzieherische, künstlerische oder publizistische Tätigkeiten ausüben, fallen darunter. Letztlich entscheidet das Finanzamt, ob es sich um eine freiberuflliche oder gewerbliche Tätigkeit handelt.

Ein Gastbeitrag von Christina Stark.

Die Gründung als Freiberufler ist in der Regel mit relativ wenig Startkapital umsetzbar. Dienstleister benötigen meist weder teure Maschinen, noch müssen größere Anschaffungen getätigt werden. Oftmals reicht eine gewöhnliche Büroausstattung, um freiberufllich arbeiten zu können. Häufig ist jedoch auch kein ausreichendes Vermögen vorhanden. In solchen Fällen sollten sich angehende Freiberufler um finanzielle Unterstützung bemühen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung.

Fördermittel

Kredite an Freiberufler vergeben die meisten Banken nur noch ungern. Stattdessen ziehen sie sich zunehmend aus dem Risikokapitalgeschäft zurück und lehnen Finanzierungen dieser Art in vielen Fällen ab.

Eine andere Möglichkeit der Kreditbeschaffung ist hingegen über die Hausbank möglich. Das KfW-Startgeld fördert Existenzgründer, kleine Unternehmen und eben Freiberufler, die weniger als drei Jahre am Markt sind, mit einem Kredit von bis zu 50.000 Euro. Die Abwicklung muss dabei über die eigene Hausbank erfolgen. Ein Vorteil ist die tilgungsfreie Anlaufzeit. Ausführliche Informationen zu dieser und anderen Fördermöglichkeiten finden sich auf der Website der KfW.

Neben dem KfW-Kredit unterstützt der Staat den Freiberufler bei seinem Weg in die Selbstständigkeit mit Förderprogrammen. Die Arbeitsagentur für Arbeit bietet Arbeitslosen finanzielle Hilfe an, damit diese den Weg aus der Arbeitslosigkeit einfacher finden. Diese Art der Förderung muss nicht zurück gezahlt werden, es wird auch keine Gegenleistung dafür erwartet. Der Freiberufler erhält den Zuschuss der Arbeitsagentur für mehrere Monate, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Die gesetzlichen Regelungen für den so genannten Gründerzuschuss wurden Ende 2011 überarbeitet. Dies führt dazu, dass derzeit kaum noch Anträge für einen Zuschuss genehmigt werden. Auf alle Fälle sollte ein Antrag gut vorbereitet sein, zudem muss er innerhalb bestimmter gesetzlicher Fristen abgegeben werden.

Die Höhe und Dauer des Zuschusses sind auf der Seite der Arbeitsagentur detailliert aufgeführt. In der Regel kann eine Förderung maximal 15 Monate bezogen werden.

Die geänderten Regelungen sind auch der Grund, warum die Gründungszahlen 2012 rückläufig sind.

Die Mikrofinanzierung

Eine weitere Möglichkeit der Kapitalbeschaffung ist die sogenannte Mikrofinanzierung: Kleinkredite bis zu 20.000 Euro werden dabei von Mikrofinanz-Instituten an Freiberufler vergeben. Die Bereitstellung der finanziellen Mittel kann neben Krediten auch in Form von Sparbüchern oder Versicherungen erfolgen.

Der Vorteil einer Mikrofinanzierung liegt darin, dass die Entscheidung über die Kreditvergabe nicht wie bei üblichen Bankverfahren abläuft. Im Vordergrund stehen vielmehr die Geschäftsidee und die Art, wie der Freiberufler seine Tätigkeit präsentiert. Zahlen spielen eher eine untergeordnete Rolle, werden bei der Entscheidung jedoch auch berücksichtigt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass als Sicherheit oftmals Bürgschaften aus dem privaten oder geschäftlichen Bereich ausreichen. Der Freiberufler zahlt den Kredit in Raten mit Zinsen zurück. Weitere Kosten fallen für ihn nicht an. Der Zeitraum der Rückzahlung ist relativ kurz gehalten und sollte nach maximal 36 Monaten beendet sein.

Vorreiter der Mikrofinanzierung ist der indische Raum. Dort sollte den Ärmsten mit einer guten Geschäftsidee ein Start ermöglicht werden. In Deutschland bieten verschiedene Finanzdienstleister und Organisationen Mikrokredite an. Während in Indien die Mikrofinanzierung schon länger erfolgreich ist, wächst diese Finanzierungsart in Deutschland erst langsam. Im Jahr 2011 wurden bundesweit 4.850 Mikrokredite vergeben.

Weitere Wege zum Startkapital

Wer Freunde und Verwandte hat, die über ausreichend Eigenkapital verfügen, kann sich bei Ihnen vielleicht Geld leihen. Im besten Fall erwartet der Kreditgeber eine zinslose Rückzahlung. In jedem Fall sollte die private Finanzierung schriftlich festgehalten werden, damit es später nicht zu Unklarheiten kommt. Im Internet findet sich eine Vielzahl verschiedener Vorlagen. Bei der Nutzung eines entsprechenden Dokumentes kann sichergestellt werden, dass keine wichtigen Punkte vergessen wurden. Die Höhe der Raten, Zinsen sowie der Rückzahlungsmodus sollten dabei im Vertrag genau benannt werden. Auch kann es nicht schaden, wichtige Gespräche und Vereinbarungen immer im Beisein von Zeugen zu klären.

Der Vorteil der Kapitalbeschaffung im privaten Bereich besteht darin, dass die Zinsen in den meisten Fällen niedriger ausfallen als bei einer Bank. Außerdem entfallen in der Regel Sicherheiten, Bürgschaften, Schufa-Anfragen und Mahnungen bei vorübergehenden Zahlungsengpässen. Natürlich sollte niemand die Großzügigkeit des Kreditgebers ausnutzen, sondern vielmehr versuchen, alle Raten und Zinsen pünktlich zu begleichen. Sollte dies einmal nicht klappen, ist immer anzuraten, auf Offenheit zu setzen und mit den Betroffenen im Vorfeld schon Gespräche zu führen.

Wer sich dennoch kein Startkapital beschaffen kann, muss die eigene Tätigkeit durch liquide Mittel finanzieren. Die Kunden sollten daher immer in Vorkasse treten. Der Freiberufler sollte ihnen möglichst kein langes Zahlungsziel einräumen. Auf diese Weise erhält er sein Geld immer recht schnell und kann weiter investieren. Müssen Waren bezogen werden, können in der Regel auch mit Lieferanten etwas längere Zahlungsziele vereinbart werden. So wird die Zahlung im Idealfall erst dann fällig, wenn der Kunde bezahlt hat. Grundsätzlich gilt dann natürlich, auch die Kosten niedrig zu halten.

Unter Umständen können wichtige Güter und Arbeitsmaterialien auch durch Mietzahlung oder Leasing finanziert werden. Das ist zwar eventuell ein bisschen teurer, aber schont – gerade zu Beginn – die oft angespannte Gründerkasse.

Bilderquelle: www.gruenderhelden.de

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Natalie - 5 years ago

Wir haben uns Anfang 2012 selbstständig gemacht und haben ebenfalls versucht, ein Startkapital zu bekommen.

Banken: Kein Kredit.
KfW: Ebenfalls keine Möglichkeit.
Arbeitsamt: Keine Unterstützung, da auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar.
Mikrokredit: Rückzahlung beginnt sofort, Rückzahlungszeitraum zu kurz.
Privatkredit: Keine Option.

Wir haben unser Erspartes zusammengekratzt, auf die Zähne gebissen und sind heute (8 Monate später), froh, keinen Kredit bekommen zu haben. Wir haben keine Verpflichtung einer Bank oder einer Privatperson gegenüber. Das Büro wird eben nach und nach eingerichtet, so wie die Mittel verfügbar sind, und wir haben gelernt, dass man nicht alles braucht, was man gerne hätte.

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Kevin - 5 years ago

Vielen Dank für den Interessanten Artikel! Als Freiberufler hat man es nicht leicht, vor allem am Anfang. Aber sobald einige Aufträge kommen sieht es auch schon besser aus.

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Roman Arnold - 4 years ago

Zahlreiche nützliche Dokumenten-Downloads für Freelancer findet Ihr auch hier: http://www.freelance-market.de/kostenloses

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Robin - 4 years ago

Hi,
Ich würde auch mal damit starten, ein paar kleine und größere Fische an Land zu ziehen. Dies geht v.a. im IT-Bereich ohne enormen Aufwand über sogenannte Freelancer Marktplätze. Im Zuge dessen kann man sich nämlich recht gut einen Überblick darüber verschaffen, wie die Aufträge im gewünschten Bereich aussehen und welche Anforderungen man erfüllen muss, um den Auftrag an Land zu ziehen. Auch die Stundensätze der Konkurrenten kann man einsehen und somit mit den eigenen abstimmen.

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Thomas - 3 years ago

Ein sehr informativer Artikel. Ein Start als Freiberufler ohne Startkapital ist sicherlich nicht ganz einfach, aber mittlerweile gibt es doch einige viele Fördermittel, die man in Anspruch nehmen kann, damit es mit der Zeit leichter wird.

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Jens - a couple of years ago

Mir war es beim Start meiner freiberuflichen Tätigkeit wichtig ohne Lasten zu starten.
Keine großen Anschaffungen oder andere Ausgaben, auf die man bei objektiver Betrachtung auch verzichten kann.
Letztlich ist jeder Kredit ein Klotz am Bein und fordert Monat für Monat seinen Tribut. Auch wenn die Geschäfte mal weniger gut laufen.

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