Praxistipps: Crowdfunding als Autor

Wer ein Buch geschrieben hat, kennt das Dilemma: Eigentlich ist es längst schon fertig, aber der letzte Feinschliff fehlt noch. Korrekturlesen, Lektorat, ein gutes Cover – das muss sein, kostet jedoch Geld. Selfpublisher Benjamin Spang hat sein Buchprojekt durch Crowdfunding finanziert. Auf dem Literaturcamp 2018 in Heidelberg erzählt er, wie das funktioniert.

Benjamin Spang hat viel Zeit investiert: Er hat Figuren entwickelt, unzählige Wörter geschrieben, verworfen und nochmals geschrieben. Dinge, die jeder Autor macht. Nach zwei Jahren war sein Debütroman „Blut gegen Blut“ schließlich fertig. Doch für den letzten Schritt fehlte ihm das Geld. Benjamin wollte noch ein professionelles Korrektorat, das Rechtschreibfehler ausmerzen sollte. Und ein Lektorat, das Ungereimtheiten ausbügeln sollte. Doch dafür brauchte er Geld. 3300 Euro waren erforderlich, um diese Arbeit in professionelle Hände auszulagern.

Also rief Benjamin eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben: Auf der Crowdfunding-Plattform Startnext.com  stellte er ein Video online, in dem er sein Projekt beschrieb und potenzielle Unterstützer, so genannte Supporter, um Geld bat. Unter diesem Link könnt Ihr Euch die Kampagne anschauen. Die Kampagne hatte eine Laufzeit von rund einem Monat. Und war erfolgreich: 89 Unterstützer fanden sich, der gewünschte Betrag kam zusammen - und sogar noch ein paar Euro mehr. „Das Geld, das man auf der Crowdfunding-Plattform generieren will, muss am letzten Tag da sein, sonst scheitert die Kampagne“, erklärt Benjamin auf dem Literaturcamp 2018. Als Sessiongeber will er bei diesem Barcamp, einer „Unkonferenz“ seine Erfahrungen weitergeben.

Eine Wohnzimmerlesung als Dankeschön

Die Teilnehmer haben viele Fragen: Crowdfunding hat jeder schon mal gehört, aber wie das genau läuft, ist nicht allen klar. Nein, stellt ein Teilnehmer fest: Crowdfunding sei keine Spendenaktion, sondern vielmehr eine Art Zwischenfinanzierung. Die Unterstützer strecken Geld vor, bekommen aber im Gegenzug etwas. Bei Benjamin war es ein Lesezeichen für 5 Euro oder eine „Wohnzimmerlesung im Saarland“, wo der Autor lebt, für 210 Euro.

Um die Unterstützer zu überzeugen, bietet sich ein Video auf der Crowdfunding-Plattform an: „Dabei erzählt man einfach, wofür man das Geld braucht“, sagt Benjamin. Ohne großartige Einblendungen oder Special Effekte. Das müsse man nicht machen.

Benjamin Spang

Benjamin Spang (Foto: Veronika Wengert).

Gute Vorbereitung sei hingegen erforderlich, so seine Erfahrung. Er habe sich zunächst die Videos der anderen angeschaut. Dann sei er selbst als Unterstützer aufgetreten. „Es ist gut fürs Karma, erst mal ein paar Kampagnen zu supporten, die man selbst gut findet“, sagt Benjamin. Das sei authentischer.

Schließlich habe er sich überlegt, was er seinen Crowdfunding-Unterstützern als Dankeschön anbieten könne. „Logischerweise den Roman selbst“, sagt Benjamin. Dabei könne man sich als Autor einen Sonderdruck überlegen, der entfallene Szenen oder längere Kurzgeschichten enthalte. Lesezeichen könne man immer gebrauchen, Postkarten seien auch gut. Einige Autoren würden aber auch Schmuckstücke anfertigen, die in ihren Romanen vorkämen. „Das hat dann etwas Exklusives“, sagt Benjamin.

Zudem habe er eine „Making of DVD“ angeboten, ebenfalls als Limited Edition. Das sei nicht zu kostenintensiv, einen Rohling könne man mit Druck des Inlays bereits für 3 Euro erstellen. Auf der DVD waren drei Stunden Videomaterial zu sehen: Dabei habe er von seinem Schreibprozess erzählt, aber auch, wie die Crowdfunding-Woche verlaufen sei. Als weitere Goodies bot Benjamin ein Poster in einer hochwertigen Holzbox an und die Figur einer Protagonistin, die ein Freund angefertigt hatte.

„Exklusivität und Knappheit“, das sei ein Anreiz, wie man potenzielle Unterstützer dazu bewegen könne, bei der Crowdfunding-Kampagne mitzumachen. Wenn man später alles bei Amazon kaufen könne, fehle der Anreiz, sich an der Crowdfunding-Kampagne zu beteiligen. Entsprechend seien die Unterstützer-Pakete „Limited Edition“ auf drei oder vier Stück begrenzt gewesen. Zudem habe er noch eine „Special Edition“ angeboten, sagt Benjamin.

Über die Crowdfunding-Kampagne reden

Wichtig sei auch, die eigenen Crowdfunding-Pläne bekannt zu machen: Freunde, Bekannte, die Familie und deren Bekannte, aber auch die eigene Fanbase bei Twitter oder Facebook. Man sollte alle möglichst früh in die Kampagne einbeziehen und fragen, wofür sie denn bereit wären, die Crowdfunding-Kampagne zu unterstützen: Für eine Postkarte? Oder doch lieber für ein exklusives Schmuckstück? Als Benjamin sein Crowdfunding-Projekt startete, war er zuvor bereits jahrelang auf Twitter aktiv und hatte viele Follower. Das sei sein Anfang gewesen, die Kampagne bekannt zu machen. Und natürlich müsse man auch offline darüber erzählen, fügt er hinzu.

 „Die Basics habe ich vorher schon geplant, also was ich über das Buch und mich erzählen kann“, erzählt Benjamin. Blogposts auf der Crowdfunding-Plattform, aber auch auf dem eigenen Blog – natürlich mit Fotomaterial unterlegt. „Man sollte schauen, ob man vielleicht bereits Kontakt zu einer Journalistin oder einem Autor hat, der das schon mal gemacht hat“, so sein Tipp. Das könnten Buchblogger auf YouTube sein oder Leute mit eigenem Bücherblog. Gut sei auch ein regionaler Bezug, dann könnte man eine Pressemitteilung herausschicken. „Also einfach mal schauen, wer einen da unterstützen kann und wen man schon kennt“, so Benjamin.

Literaturcamp Heidelberg Aufsteller

Benjamin Spang erzählt auf dem Literaturcamp von seinen Erfahrungen (Foto: Veronika Wengert).

Buchblogger beim Crowdfunding individuell anmailen

Falls man niemanden kenne, sollte man sich dennoch an Buchblogger wenden, zu denen man noch keinen Kontakt habe. Ein Fehler sei allerdings die altbekannte Massenmail. „Ich rate euch, das zu lassen und echt jeden Buchblogger einzeln anzuschreiben. Gebt euch Mühe, das soll wie eine Art Liebesbrief für den Blogger sein“. Erst vorige Woche habe er mehrere Buchblogger angeschrieben. Ohne Massenmail. Diese vergleicht Benjamin „mit einer Art Postwurfsendung“. Seine „Liebesbriefe“ zeigten Erfolg: Viele hätten Interesse gezeigt, ihn auch bei seiner zweiten Crowdfunding-Kampagne im August zu unterstützen, die er für sein nächstes Buch plant.

Mit den Buchbloggern spreche er individuell ab, was inhaltlich auf den Blog passe. „Man macht sich also idealerweise schon selbst vorher Gedanken und schlägt das dann vor“, so Benjamin. Dabei gelte es, zu checken, was der Buchblogger für ein Mensch sei, welche Social Media-Kontakte er pflege und ähnliches. „Hej, du machst doch total gerne Autoreninterviews…“ – das sei eine Möglichkeit, den Blogger für sich zu gewinnen.

Der ideale Zeitpunkt für eine Crowdfunding-Kampagne

Im Idealfall dauert eine Kampagne vier bis fünf Wochen. „Der Zeitraum für eine Crowdfunding-Kampagne darf weder zu lange, noch zu kurz sein, sonst entwickelt das Projekt eine Eigendynamik“, sagt Benjamin. Wenn man als Leser auf einer Crowdfunding-Plattform ein interessantes Projekt entdecke, dass noch sechs Monate laufe, werde das in 99 Prozent aller Fälle nur abgespeichert, ohne, dass die Person je wieder die Webseite besuche. Ohnehin gelte, dass es die meiste Unterstützung bei einem Crowdfunding-Projekt am Anfang gäbe. „Ach, ich supporte den jetzt“, so der Gedanke, dem eine Handlung folge. Ebenso gäbe es am Ende viel Unterstützung: „Ich muss jetzt zuschlagen, da übermorgen alles vorbei ist“, so Benjamin.

Wichtig sei es, die Berichterstattung über den gesamten Zeitraum zu verteilen. Das bedeutet, dass nicht nur am Anfang Blogposts veröffentlicht werden sollten, sondern beispielsweise jeden Freitag könne man ein Highlight anbieten. „Wenn man das Material nicht gut verteilt und es ausgeht, kann man nur noch twittern“, so Benjamin. Als besten Zeitpunkt für Crowdfunding-Kampagnen empfiehlt er: „Keine Crowdfunding-Kampagnen in der Urlaubszeit und eher nicht, wenn gerade die WM stattfindet, denn dann liegen die Leute eher am Strand beziehungsweise sitzen vor dem Fernseher.“

Benjamin rät anderen Autoren zwar ab, diese Zeitpunkte als Start zu nehmen – er selbst will seine zweite Crowdfunding-Kampagne jedoch mitten in der Urlaubszeit starten. Warum? Weil er unbedingt im Dezember veröffentlichen wolle, also noch in diesem Jahr. Daher gehe er das Risiko ein, sagt er.

Fazit: Crowdfunding braucht Zeit

Benjamin fasst seine Session noch einmal zusammen: Crowdfunding brauche Zeit. Zudem sei Vorbereitung alles. Ein starkes Netzwerk im Rücken, also dass man Leute im Vorfeld kenne, die einem helfen können, sei ebenso wichtig. Zudem müsse man Anreize anbieten, die den Unterstützer dazu bewegen, Geld für die Kampagne bereit zu stellen. Und zwar exklusive Anreize, die es nach Ablauf der Crowdfunding-Kampagne nirgendwo zu kaufen gäbe. Ziel sei es immer, Leute auf die Kampagnenseite zu bringen. Dafür sei es sinnvoll, persönliche Nachrichten an Freunde, Verwandte, Bekannte oder Pressemitteilungen erst dann zu versenden, wenn die Kampagne schon laufe. „Jetzt können Dankeschöns gekauft werden“ – was dann hoffentlich auch passiere.

Buchtipp:

Sein Wissen hat Benjamin Spang in ein E-Book gepackt, dass Ihr hier bestellen könnt *):

So sieht das Cover aus: "Crowdfunding für Autoren" von Benjamin Spang.

So sieht das Cover aus, hinter dem geballtes Wissen steckt: "Crowdfunding für Autoren" von Benjamin Spang.

Zur Entstehung dieses Artikels

Benjamin Spang habe ich beim Barcamp Literaturcamp (Twitter-Hashtag: #Litcamp18) getroffen, das am 16. und 17. Juni 2018 in Heidelberg im Dezernat 16 (Alte Feuerwache) stattfand. Über das Projekt Crowdfunding für Autoren hat Benjamin Spang netterweise als Sessiongeber in seiner Barcamp-Session erzählt – so ist dieser Artikel entstanden.

Mehr über Benjamin Spang, seine Romane und seine Crowdfunding-Kampagnen erfahrt Ihr auf seiner Website: www.benjaminspang.de

Infos zum Literaturcamp: www.literaturcamp-heidelberg.de

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