Früher eine Jeans, heute eine Handytasche

Es gibt Kleidungsstücke, von denen man sich nur schwer trennt – auch wenn sie längst schon Löcher haben. Die Lieblingsjeans gehört sicherlich dazu. Das Kölner Start-up „MineD“ www.my-mined.com verlängert nun das Dasein des geliebten Kleidungsstücks: In einer Jubiläumsaktion können Kunden noch bis Ende November ihre alte Jeans einsenden, die zu einer Laptoptasche oder einer Handyhülle umgenäht werden. Doch auch sonst setzen die beiden Gründer von „MindeD“ auf Nachhaltigkeit: Sie „upcyclen“, das heißt, sie nutzen ausschließlich Musterjeans und fehlerhafte Stoffe für ihre Produktion, um die Umweltressourcen zu schonen. „MineD“-Gründer Lennart Krippner blickt auf ein Jahr Geschäftstätigkeit zurück.

mineD_processIn Frauenhandtaschen passt, je nach Größe, oftmals das halbe Badezimmer: Lippenstift, Eyeliner, Mascara – aber auch Smartphone oder Laptop. Die meisten Männer tun sich hingegen schwer damit, eine geeignete Tasche für Schlüssel, Handy und Portemonnaie zu finden. Auch Lennart Krippner und Marian von Rappard waren es leid, am Wochenende immer Schlüssel, Handy und Portemonnaie mit auf Partys oder Veranstaltungen zu nehmen. „Wir dachten, als Männer ohne Handtasche, dass so etwas doch einfacher gehen muss, mit einer Art Wallet-Case“, erzählt Krippner.

Also überlegten die beiden Freunde, wie aus dieser Idee ein tragfähiges Geschäftskonzept werden könnte. „Es dauerte nicht lange, bis es die ersten Entwürfe gab, wie man ein Handy-Cover und ein Portemonnaie miteinander verbinden kann“, sagt der Kölner. „Sehr wichtig war uns jedoch, das Produkt möglichst umweltschonend zu produzieren. Also überlegten wir uns – da wir gerne Jeans tragen und den Stoff als für sehr robust und geeignet ansahen – Fehlproduktionen und Musterwaren zu verwenden, die bei der Massenproduktion anfallen.“ Durch einen Kontakt sei man einfach an Restware herangekommen, die nun für die Produktion verwendet werde. „So brauchen wir die Ressourcen des Planeten nicht noch weiter zu strapazieren“, so Krippner.

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Gefertigt wird in Vietnam. „Ein Freund aus dem Team lebt vor Ort und leitet dort eine Jeansproduktion – so hatten wir einen Spezialisten direkt vor Ort.“ Auch sei es ihnen sehr wichtig gewesen, dass die Produktion unter guten Bedingungen ablaufe und sie etwas für die Region tun können. „So haben wir die Initiative `good mineD` gegründet www.my-mined.de/good-mined, mit der wir eine Nähschule in Vietnam fördern, in der Frauen und Mädchen durch eine Ausbildung und sichere Jobs eine bessere Zukunft ermöglicht wird“, sagt Krippner.

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Seit der Gründung ist ein Jahr vergangen – in dem jedoch nicht alles ganz reibungslos ablief. „Die größten Hindernisse waren oder sind einerseits natürlich die finanzielle Situation, da wir die erste Produktionsreihe komplett vorfinanzieren mussten und der Umstand in einem hart umkämpften Markt – für Handy-Cases – Fuß zu fassen“, so Krippner.

Eine externe Finanzierung durch Investoren wollten die Gründer jedoch nicht. „Um unser Produkt und unseren sozialen und ökologischen Gedanken so aufrecht zu erhalten, wie wir es uns wünschen, haben wir leider kein großes Mediabudget“, erzählt der Gründer. Daher sei man auf Aktionen angewiesen und indem man Freunde und Blogger bitte, sich die Geschichte des Unternehmens anzusehen, sie vielleicht gut zu finden und zu teilen. „Nebenher versuchen wir, nach und nach eigenständig einen Vertrieb für den Einzelhandel aufzubauen“, so der Kölner.

Mittlerweile sind die Handy- und Laptop-Cases auch in einigen Geschäften vertreten. „Die Verkaufszahl ist jedoch schwer zu schätzen“, sagt Krippner. „Online kommen wir bislang erst auf 10 bis 15 Produkte im Monat. Das ist noch nicht viel, daher versuchen wir, die Bekanntheit nun zu verbessern, da das Feedback der Käufer überwiegend sehr positiv ist“, erzählt der Gründer. Die Produktpalette umfasst mittlerweile 14 Artikel. „Zudem arbeiten wir gerade an einem reinen Portemonnaie, einer Laptophülle und einer Arbeitstasche.“

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Zum einjährigen Geburtstag im November haben sich die Gründer eine originelle Idee einfallen lassen: Kunden können ihre alte Lieblingsjeans einsenden und ein oder mehrere Produkte auswählen, die daraus genäht werden sollen – sei es ein Handy-Case mit Platz für Kreditkarten oder ein Tablet-Case, in dem sich auch Stifte und Papier verstauen lassen. „Die Jeans muss dazu einfach an unsere Adresse geschickt werden, inklusive des Paketes, das man sich ausgesucht hat, also was aus der Jeans gefertigt werden soll“, erzählt Krippner. Danach muss der Kunde nur noch den fälligen Betrag auf das Konto des jungen Start-ups überweisen und etwas warten.

Für andere Gründer, die sich mit ihrer Geschäftsidee selbstständig machen möchten, hat der Kölner einen Ratschlag parat: „Der einfachste, beste und zugleich schwierigste Tipp ist natürlich, sich von keinen Rückschlägen – von denen es am Anfang zuhauf gibt – aufhalten zu lassen“, so Krippner. „Wenn man an das glaubt, was man tut, muss man seine Idee umsetzen und einen langen Atem beweisen – oder Glück haben“, sagt der Kölner mit einem Augenzwinkern.

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