Power Napping: Schlaf gut und rede drüber!

Einer der großen Vorteile der Selbstständigkeit ist die freie Arbeitszeiteinteilung. Die Arbeitsphasen dem eigenen Biorhythmus anzupassen, das möchte wohl kaum ein Selbstständiger missen. Neben der Möglichkeit, eben ganz früh am Tage oder spät nachts zu arbeiten, bietet sich dabei auch das Innehalten am Tage an – neudeutsch: Power Nap.

 Wer Power Nap sagt – statt Nickerchen, Mittagsschlaf oder Siesta, zielt explizit auf die leistungsfördernde Wirkung des kurzen Schlafes am Tage ab, statt den eigentlichen Müßiggang zu betonen. Diese Wirkung haben wissenschaftliche Studien mehrfach belegt: Man ist nach einem Kurzschlaf von 10 bis maximal 30 Minuten Dauer frischer und macht weniger Fehler bei der Arbeit.

Diese kleine Kraftquelle können sich insbesondere Freelancer erlauben, denn sie legen fest, wann und wo sie arbeiten und in welcher Form dabei kurze Ruhephasen möglich sind. Mehr noch: Sie sollten sich dies auch erlauben, denn damit könnten sie Wegbereiter einer gesunden Abschaltkultur für alle sein.

 Denn obgleich Studien mehrfach gezeigt haben, wie wirkungsvoll der Power Nap ist, sind gerade wir in Deutschland weit davon entfernt, ihn in unserem Arbeitsalltag zu pflegen. Es ist schlichtweg verpönt am Arbeitsplatz zu schlafen. Selbst wenn sich Unternehmen mit diesem Thema beschäftigen, so führen sie eine Menge Gründe an, warum der Power Nap nicht praktizierbar ist: keine vorhandenen Räumlichkeiten, ungeklärte Rechtslage bezüglich der Pausenregelungen usw. Der Belegschaft bleibt nur, sich heimlich auszuruhen. Die Akzeptanz der kleinen Kraftquelle steigert das jedenfalls nicht.

Dabei tut die Kreativbranche einiges für das Image des Power Naps: Sie entwirft Pullover-Kissen, Aktenordner-Kissen und Napshells, um dem Mittagsschlaf ein hippes Gesicht zu geben. Das braucht er offenbar, um überhaupt Eingang in unsere Arbeitskultur zu finden. Was er noch braucht, sind Vorbilder – Menschen, die ihren Power Nap pflegen und darüber reden. Das sind vor allem jene Menschen, die sich ihre Arbeitszeit frei einteilen können, zum Beispiel kreativ und / oder geistig Arbeitende.

Für sie sei, sagt der Arbeitsforscher Martin Braun vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, die Gestaltung der Arbeitszeit in Phasen besonders wichtig, denn auch die Hirnfunktionen seien rhythmisch organisiert. Sie brauchten regelmäßig eine Ruhephase und funktionierten bei Schlafmangel schlecht. „In der Arbeitswelt wurde noch nicht verstanden, dass man bei Denkarbeit auch Verinnerlichung und den Blick auf die eigene Identität braucht.“

Flexibel mit ihrer Arbeitszeit umgehen können auch Angestellte mit Gleit- oder Vertrauensarbeitszeit oder eben Freelancer verschiedener Branchen. Sie sollten sich selbst die Kraftquelle am Tage gönnen, davon profitieren – und vor allem: darüber reden. Damit der Power Nap bald so anerkannt ist wie die Raucher- oder Kaffeepause.

Kleine Anleitung zum Power Nap:

  1. Selbsterkenntnis:
    Wann habe ich meine absoluten Tagestiefs? Nur dann lohnt es sich, es mit dem Power Napping zu probieren.
    Wie komme ich  zur Ruhe? Wer Entspannungstechniken beherrscht, sollte diese einsetzen. Alle anderen probieren es mit langsamer, tiefer Atmung und versuchen dabei, sich nur aufs Atmen zu konzentrieren. Es braucht einige Übung, um schnell wegzusinken. Aber es lohnt sich!
    Wie bequem brauche ich es? Reicht es, wenn ich irgendwo meinen Kopf ablegen kann? Brauche ich ein Kissen oder lege ich ihn auf die Arme? Oder muss ich mich komplett hinlegen? Dann tut es eventuell eine Iso-Matte.
  2. Überwindung:
    Ja, man muss auch in der Öffentlichkeit schlafen können. Die am ehesten akzeptierten Orte für Power Napping sind öffentliche Verkehrsmittel und Unibibliotheken. Aber auch Parkbänke, der eigene Schreibtisch, ja sogar der Platz in der Kantine eignen sich. Oder gibt es einen Pausenraum am Arbeitsplatz? Luxus ist natürlich das Sofa im Home Office! Hier sind die Freelancer wieder im Vorteil.
  3. Schlafen:
    Müdigkeit abwarten, etwa nach dem Essen. Störquellen ausschalten, z.B. Telefon leise stellen. Einen erfahrenen Power Napper stören Geräusche allerdings nicht. Sich eine bequeme Lage suchen (s.o. – Selbsterkenntnis). Wer noch nicht von selbst aufwacht: Wecker stellen oder Schlüsselbund in die Hand nehmen. Mit beginnender Muskelentspannung fällt dieser lärmend aus der Hand. Erfahrene Power Napper wachen von selbst auf. Wichtig: Nur 10 bis maximal 30 Minuten schlafen, danach beginnt der Tiefschlaf, aus dem man nur schwer oder erst nach 90 Minuten wieder erwacht.
  4. Am Ende:
    Kurz räkeln und strecken, Sauerstoff tanken und sich freuen, dass man sich etwas Tolles gegönnt hat. Nicht vergessen: darüber reden!

Mehr Infos: www.power-napping-info.de

Autor

Dörthe Ziemer ist freie Redakteurin und Autorin. Im Herbst erschien ihr Buch „30 Minuten Power Napping“, das sie zusammen mit der Psychologin Solveig Lanske und der Unternehmensberaterin Stefanie Demmler geschrieben hat. Zurzeit arbeitet sie für NGOs wie n-ost und Reporter ohne Grenzen und widmet sich im Rahmen eines Recherchestipendiums dem Thema Kindernahrung als Spielball zwischen PR, Wissenschaft und Wirtschaft.

Bildquelle: Pixabay

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