Plastikfrei leben im Büro: Interview mit Bloggerin Sylvia Schaab

Wer Bananen oder Gurken im Supermarkt kauft, ärgert sich oftmals über die Plastikverpackung. Doch auch im Büro fällt viel Plastikmüll an, den man eigentlich vermeiden könnte. Doch wie stellt man das am besten an? Wir haben bei Sylvia Schaab aus Augsburg nachgefragt. Die freie Journalistin ist Expertin für plastikfreies Leben und berichtet in ihrem Blog www.gruenerwirdnimmer.de regelmäßig über ihre Erfahrungen. Wie „plastikfrei“ auch im eigenen Büro klappen kann, verrät Sylvia Schaab im Interview.

Der Freelancer-Blog: Sylvia, Du bist freiberufliche Journalistin, Bloggerin zum Thema „plastikfreies Leben“ und Mutter von drei Kindern. Im Alltag versucht ihr, mit möglichst wenig Plastik auszukommen. Wie gut klappt das?

Sylvia Schaab: Das klappt sehr gut. Es erfordert immer mal wieder ein „Um-die-Ecke-Denken“, aber im Grunde wird es ganz leicht, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert: Also beim Einkaufen möglichst unverarbeitete Lebensmittel wählen und beim Arbeiten und im Haushalt auf Altbewährtes zurückgreifen. Das heißt, wo es möglich und sinnvoll ist, benutzen wir Dinge aus natürliche Materialen wie Holz, Glas oder Edelstahl, waschen uns mit Seife und nutzen Natron zum Putzen.

Was das Essen betrifft, so kochen wir frisch und machen vieles selbst. Die ganze Familie trägt das mit und die Kinder sind begeistert dabei, selbst Kekse zu backen oder Müsli zu mischen. So brauchen sie auf Süßes nicht zu verzichten – nur kommt es nicht aus dem Supermarkt, sondern aus dem eigenen Ofen.

Als Freiberuflerin kennst Du sicher das Problem, dass im Büro viel Plastikmüll anfällt: Ein Kugelschreiber-Set ist oftmals mehrfach verpackt, die Gummibärchen, die einem im Homeoffice aus dem Mittagstief helfen, ohnehin – ganz zu schweigen von dem Bürobedarf, den man im Internet bestellt und der mit reichlich Verpackung nach Hause geliefert wird. Hast Du ein paar Tipps für andere Freelancer parat, wie man im eigenen Büro (möglichst) plastikfrei leben kann?

Sylvia Schaab: Klar, da gibt es eine wunderbare Alternative. Ich bestelle meine Bürosachen bei memo.de. Dieses nachhaltige Versandhaus legt Wert auf ökologisch sinnvolle Produkte und nachhaltigen Versand: Die Ware kommt in einer wiederverwendbaren Versandbox mit möglichst wenig Verpackung. Es gibt ein umfangreiches ökologisches Warenangebot wie Kugelschreiber aus Holz oder Druckerpatronen und Stifte zum Nachfüllen. Wer Toilettenpapier ohne Plastikverpackung sucht wird bei Naturlieferant fündig (https://naturlieferant.de/produkt/toilettenpapier/).

Was das leibliche Wohl betrifft, so gibt es einigen plastikfreie Alternativen: So ist Leitungswasser eine gute Alternative zu Wasser in Plastikflaschen. Hierzulande wird Leitungswasser streng kontrolliert und es ist eine günstige Variante. Wer es sprudelig mag, kann sich einen Wassersprudler besorgen. Und bei 4.000 Tonnen Aluminium- und Plastikmüll pro Jahr aus Kapselkaffee ist die gute alten Kaffeemaschine vielleicht doch die ökologischere Variante. Und Milch gibt es auch in der Flasche.

Wer sich auf dem Weg ins Büro öfter mal einen Coffee-to-Go holt, kann über die Anschaffung eines Thermobechers nachdenken. Derzeit landen pro Stunde in Deutschland 320.000 Coffee-to-Go-Becher im Müll.

Ganz ohne Plastik geht es aber nicht, oder? Die Computertastatur, die Maus, der Bildschirm – irgendwie scheint alles im Büro aus Kunststoff zu sein. Gibt es eigentlich so was wie „gutes“ oder „schlechtes“ Plastik, also darf man Plastik per se nicht verteufeln?

Sylvia Schaab: Bei technischen Geräten gibt es kaum Alternativen zum Plastik. Wichtig ist, dass man beim Kauf darauf achtet, dass sie langlebig und schadstofffrei sind sowie möglichst einfach wieder recycelt werden können. Das heißt, dass die einzelnen Teile wieder in den Wertstoffkreislauf eingehen. Dabei hilft es, auf Umweltsiegel wie den Umweltengel oder C2C (http://www.c2ccertified.org, http://c2c-ev.de) zu achten.

Ansonsten sollte man vorsichtig sein, bei Produkten, die mit Lebensmittel in Berührung kommen. Denn wenn weiches Plastik warm wird, dann lösen sich Schadstoffe. Das gilt für Trinkflaschen genauso wie für Mirkowellengeschirr. Also beim Kauf auf die Bezeichnung achten und PVC sowie Polycarbonat (PC) meiden. Mehr dazu gibt es auf der Seite des Bund Naturschutz.

Am sichersten ist es, unverpackt oder im Glas einzukaufen und Dinge immer wieder zu verwenden.

Was ist Dein persönlicher Tipp. Wie kann ich als Freiberufler möglichst plastikfrei leben?

Sylvia Schaab: Wasser aus der Leitung statt aus der Plastikflasche. Eine schöne Trinkflasche oder Karaffe anschaffen, damit es besser schmeckt. Lieber frisches Obst essen oder Süßes aus Läden kaufen, wo man sie auch unverpackt bekommt. Und darauf achten, dass man Büromaterial zum Auffüllen bekommt.

Vielen Dank für das Interview, liebe Sylvia!

Sylvia Schaab

gruen_schaab

Sylvia Schaab ist Weltverbesserin und Expertin für Texte, Bücher und plastikfreies Leben.

Auf ihrem Blog “Grüner wird`s nimmer? – Grüner wird`s immer!”, dem Blog für Ressourcenschoner und Plastikvermeider, berichtet sie regelmäßig über ihren Alltag ohne Plastik, PVC und Co.

Zudem organisiert sie regelmäßig plastikfreie Stammtische in Augsburg.
Blog: www.gruenerwirdsnimmer.de
Facebook: https://www.facebook.com/gruenerwirdsnimmer
Twitter: @SylviaSchaab

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